Klug und (doch) nicht glücklich?

Das Magazin „The Atlantic“ geht dem Paradox nach, warum so viele kluge Menschen nicht glücklich sind – obwohl sie sinnstiftende soziale Beziehungen führen, gut sind in dem, was sie tun und die Freiheit haben, über ihr Leben unabhängig zu entscheiden.

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden, interviewt es Raj Raghunathan, einen Marketing-Professor der Universität von Texas. Das Interview im englischen Original lesen Sie hier – nachfolgend finden Sie einen Auszug in deutscher Übersetzung.

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Im Kern geht es darum bewusst und aktiv eine Entscheidung zu treffen: Lebe ich aus der Liebe heraus oder aus der Angst?

Angst und Liebe sind hierbei keine sich ausschließenden dualen Gegensätze. Sie bilden eine Einheit innerhalb einer Polarität. Und Freiheit besteht darin, die Freiheit zu haben zu wählen, welche Seite der Medaille ich wähle.

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Angst ist sozusagen der Klassiker in Wirtschaft und Führung der westlichen Kultur. Die Folgen sind bekannt: Innere Kündigung, Mobbing,
hoher Krankenstand, teure Fluktuation, Depression, Burnout, Herz-Kreislauf, Rücken und Magen.

Liebe ist weder Gefühl noch Räucherstäbchen, sondern eine Geisteshaltung. Sie ist zentrale Herzensangelegenheit; sichtbar gemacht durch Respekt, Vertrauen, Ermutigung, Freude, Interesse, Freiraum uvm.

Wer herzgesteuert denkt, handelt, führt, wird glücklicher sein als der, der auf ängstlichem Grund steht und ermöglicht es anderen, ebenfalls leichter glücklich zu werden.

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raj
„Es ist die innere Haltung oder das Weltbild, die du in Bezug auf das Leben zeigst. Und das Weltbild kann – der Einfachheit halber – auf zweierlei Weise charakterisiert werden:

Das eine Extrem ist eine Art von Mangel-Bewusstsein. Danach entsteht mein Gewinn daraus, dass jemand anderes etwas verliert – was dazu führt, dass du dich vor allem über den Vergleich deines sozialen Status definierst.

Und die andere Sicht – die ich einen fülle-orientierten Ansatz nennen würde – geht davon aus, dass es genug Raum für alle gibt um zu wachsen und sich zu entwickeln. (…)

Es gibt eine Sache, die mir so richtig geholfen hat. Ich nenne sie das leidenschaftslose Streben nach Leidenschaft. Es geht darum, dein Glück nicht vom Erreichen von Ergebnissen abhängig zu machen. (…) Das ist wichtig, weil Ergebnisse keine eindeutig positive oder negative Auswirkung auf dein Glück haben. (…)

Jeder von uns hat eine Art inneren Kompass, ob gute Dinge geschehen werden oder schlechte Dinge. Und es gibt keine Möglichkeit, wissenschaftlich zu beweisen, dass eine dieser Überzeugungen zutreffender wäre als die andere. (…)

Aber wenn du davon überzeugt bist, dass das Leben freundlich ist, wirst du viele Hinweise dafür finden. Und wenn du davon überzeugt bist, dass das Leben unheilvoll ist, wirst du auch dafür viele Hinweise finden. (…)

Letztlich kannst du niemanden dazu zwingen, sich für eine Geisteshaltung der Fülle zu entscheiden. Jeder muss hier für sich selbst entscheiden mittels Selbsterforschung und Gewissensprüfung.“

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