Pflugscharen zu Schwertern – Nafri, Köln und Dobrindt

Die Rechten machen seit Monaten vor, wie man Sprache zu Waffen formt: Sie nehmen einzelne Wörter und setzen sie an neue Orte, wodurch sie ihren ursprünglichen Charakter verlieren. So wurden z.B. aus „guten Menschen“ die höhnisch verlachten „Gutmenschen“. In Italien wurde „Professor“ zum Schimpfwort (ZEIT) usw. usw.

Ähnliches geschieht gerade mit einer Abkürzung.

„Nafri“ war eine Abkürzung innerhalb einer spezifischen Fachsprache. Im Kontext von Öffentlichkeit (Twitter) wurde aus dieser unbedeutenden Abkürzung plötzlich eine Identitäts-Zuschreibung und entfachte dadurch entsprechende Diskussionen.

Ungeschickt aber nicht schlimm und doch lehrreich. – Aber jetzt kommt’s!

Alexander Dobrindt, ein Bundesminister, nutzt „Nafri“ nicht mehr unüberlegt in einer Krisensituation sondern bewusst und absichtlich in der politischen Debatte (Welt). Das ist perfide!

Denn gerade eben noch zeigte sich die breite Masse entspannt gegenüber der Kölner Polizei und nahm ihr diesen kleinen Lapsus nicht übel. Diese Sympathie-Welle nutzt Dobrindt, um seine Sprache rassistisch aufzuladen und salonfähig zu machen.

twitterDas ist eklig und verwerflich. Im Eifer des Gefechts kann „Nafri“ passieren – kein Problem; kommt nicht wieder vor. Aber in der reflektierten Sprache eines Menschen in Vorbild-Position wird daraus eine rassistische Provokation – absichtlich, bewusst, gewollt.

Damit stellt sich Dobrindt auf eine Stufe mit rechten Hetzern – und das als Vertreter des Kabinetts, der CSU, eines Minsteriums.

Zurücktreten wird er nicht – dafür fehlen ihm wohl Anstand und Integrität. Aber man könnte ihn entlassen und ausschließen und damit ein klares, wichtiges Zeichen setzen.

* * *

Ist das, was ich hier schreibe, nur ein weiterer Fall übertriebener Political Correctness?

Nein, denn es geht gerade nicht darum, einer einmaligen, ungeschickten Äußerung viel zu viel Bedeutung beizumessen – wofür bsp. der Grünen Simone Peter heftig eingeschenkt wurde (FAZ). Sondern es geht darum, die innere Haltung, die sich hinter einer gezielten und absichtsvollen Äußerung verbirgt, offenzulegen.

By the way: Auch Political Correctness war mal eine „gute Sache“, denn sie zielte darauf ab, die eigenen Worte mit mehr Bedacht zu wählen und damit zu mehr Menschlichkeit beizutragen. Auch diesen Begriff – und damit ein Stück weit auch dieses Anliegen – haben die Rassisten und Sexisten dieser Welt erfolgreich zu einer sprachlichen No-Go-Area gemacht…

* * *

Sprache ist viel mehr als Wörter.

Das richtige Wort zu rechten Zeit kann Wunden heilen und Frieden schaffen. Völker verbinden, Menschen motivieren, Liebe geben. Perspektiven schaffen, Hoffnung schenken.

Sprache kann aber auch Krieg erklären, verletzen, diffamieren, entwürdigen. Wir als die Nachkommen der Nationalsozialisten wissen ganz besonders um das Potenzial von Entmenschlichung durch Sprache. Und nicht ohne Grund verfolgen die Tyrannen dieser  Welt vor allem die Künstler, die Kabarettisten, die Intellektuellen. Denn sie wollen ihren Völkern die Sprache nehmen, um sie zu unterwerfen.

Noch einmal: „Nafri“ in der Silvesternacht war unbedacht, aber ok – „Nafri“ Tage später aus dem Munde eines höchstrangigen Politikers war bedacht und eine rassistische Unverschämtheit.

Wehren wir uns gegen solche Volksvertreter!

 

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