Donald Trump oder: Wie befreit sich eine ganze Welt von einem Narzissten?

„Trumps Verhalten lässt sich sehr oft auf die simple Frage zurückführen: War jemand nett oder nicht nett zu mir? Sehr viel komplexer wird es nicht.“ (SPON)

Millionen Amerikaner fühlen sich gekränkt – und haben einen der ihren zu ihrem Anführer gewählt: Einen Mann, der alles und jeden als Kränkung begreift, der ihm nicht schmeichelt.englischeversion

Wer jemals im Bannkreis eine Narzissten gelebt hat, weiß, dass dieser Kontakt zu seelischer Beschädigung führt. Und das die Trennung schwer ist und große innere Klarheit erfordert.

Wie aber soll sich dereinst eine ganze Nation von ihrem obersten Anführer erlösen?

narzisstItalien hat eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, bis es seinen Narzissten los war – und immer wieder kehrte Berlusconi zurück und entwischte seinen Verfolgern.

Die Türkei ist sogar bereit, die Herrschaft des Volkes aufzugeben, auf dass ihr Narzisst zum Herrscher über das Volk werde.

Was werden die Amerikaner tun? Dieses freiheitsliebende Volk? Werden Sie verklagen? Umbringen? Sich ihm ebenfalls unterwerfen?

Und wie wird die übrige Welt auf ihn reagieren? Sich einschleimen? Attentäter schicken? Den Kopf einziehen und abwarten?

Wenn ein Klient ins Coaching kommt, um sich von einem narzisstischen Partner zu befreien, muss er sich notgedrungen mit den eigenen Schatten befassen. Er muss erkennen, welche Struktur, welche inneren Muster dafür gesorgt haben, dass er sich überhaupt auf einen in dieser Weise persönlichkeitsgestörten Menschen einlassen konnte und wollte.

Wird die USA diesen Weg der Selbstreflexion gehen? Wann? Wie? Mit wem vorneweg?

Wir Deutschen wissen, wie schmerzhaft und langwierig es ist, einen Menschen hinter sich zu lassen, den man gerade wegen seiner selbstbewussten Bösartigkeit verherrlicht hat – und manchmal immer noch verehrt (siehe Schande-Höcke).

Werden wir also genügend Kraft haben und halten um standzuhalten? Werden wir uns zurückziehen, bis Trump irgendwann tot ist oder zu gelangweilt zum Regieren? Werden wir unsere Schattenseiten kultivieren und versuchen Geschäfte mit ihm zu machen? Von ihm zu profitieren?

* * *

Die maßlose Maßlosigkeit extremer Narzissten ist unerträglich. Wortwörtlich unerträglich. Und je reflektierter, achtsamer, empathischer, liebevoller jemand ist – desto schwieriger wird es.

Aber genau die sind es, die die Welt jetzt braucht. Die Amerika jetzt braucht. Auf das direkte Umfeld von Trump brauchen wir nicht zu hoffen – wer es dort aushält, ist selber seelisch tief beschädigt. Schon allein die Berufung in sein Umfeld sollte Symptom genug sein, keine Hoffnung in den Berufenen zu setzen.

Was also tun die, die sich vom Narzissten befreien wollen?

  • Wir müssen uns zuallererst um uns selbst kümmern. Dafür sorgen, dass die Wut auf diesen Mann und seine Speichellecker unsere eigene Seele nicht verdunkelt.
  • Als zweites müssen wir uns darum kümmern, dass wir in guten Kontakt kommen und bleiben mit denen, die so denken wie wir. Wir müssen uns stärken und stützen. Loyal und verlässlich und mutig und tröstend.
  • Als drittes muss jeder für sich überlegen, wie er aktiv wird: Protestierend, aktivierend, angreifend, strategisch, brachial, vernetzend, juristisch, kriegerisch, herzlich, ironisch, direkt, laut, leise… Wie auch immer.

Einen sauberen Königsweg gibt es nicht. Es wird laut und dreckig und unangenehm. Fest steht nur eines:

Wir müssen uns befreien. Wir dürfen uns befreien. Wir können uns befreien.

Frieden ist möglich.

banner-jan2017

DONALD TRUMP OR: HOW DOES A WHOLE WORLD DISENGAGE FROM A NARCISSES?

„Trumps behavior is often attributed to the simple question: Was someone nice or not nice to me? It does not get much more complex. „(SPON)

Millions of Americans feel offended – and have chosen one of their own as their leader: a man who sees everything and everyone as an offense that does not flatter him.

Anyone who has ever lived with a narcissist in his surroundings knows that this contact leads to mental damage. And the separation is difficult and requires great inner clarity.

But how is a nation to be redeemed by its supreme leader?

Italy needed a sense of eternity until it was rid of his narcissists – and Berlusconi always came back and escaped his persecutors.

Turkey is even ready to give up the rule of the people, so that their narcissists become rulers over the people.

What will Americans do? This freedom-loving people? Will they take him to court? Kill him? Submit to him?

And how will the rest of the world react to him? Will they suck up to him? Sending assassins? Duck their heads and wait?

When a client comes to coaching to get rid of a narcissistic partner, he must necessarily deal with his own shadow. He must recognize the structure, the internal patterns that made him want to get involved in a person who was so disturbed in his personality.

Will the US go this way of self-reflection? When? How? With whom in front?

We Germans know how painful and protracted it is to leave a man who has been glorified because of his self-conscious malignity – and sometimes still revered (see Shame-Höcke).

Will we have enough strength and hold to stand up? Will we retire until Trump is dead or too bored to govern? Will we cultivate our own pages of shadows and try to do business with him? To profit from it?

* * *

The extreme lack of extreme narcissists is intolerable. Literally intolerable. And the more reflective, more careful, empathic, loving someone is – the more difficult it becomes.

But that is exactly what the world needs now. What America now needs. And we do not need to hope for the direct surroundings of Trump – whoever is able to endure is deeply damaged himself. Alone the vocation in his environment should be symptom enough to place no hope in the vocations.

So what do those who want to free themselves from the narcissist?

  • We have to take care of ourselves first. Make sure that the rage on this man and his saliva does not obscure our own soul.
  • Second, we need to make sure that we get in good contact and stay with those who think like us. We must strengthen and support ourselves. Loyal and reliable and brave and comforting.
  • As a third, everyone has to think about how he becomes active: protesting, activating, attacking, strategic, brute, networking, legal, belligerent, hearty, ironic, direct, loud, silent… Anyway.

There is no silver bullet. It gets loud and dirty and unpleasant – just one thing is certain:

We must free ourselves. We may free ourselves. We can free ourselves.

Peace is possible.

banner-jan2017

Ergänzung 1:

In ihrem Artikel „American Psycho“ (profil 5.2.2017) empfiehlt Angelika Hager, Donald Trump nicht aus per Ferndiagnose als Narzissten zu betrachten, auch wenn er starke narzisstische Züge aufweise.

„Trumps ehemaliger Ghostwriter Tony Schwartz, der für ihn das autobiografische Hohelied „The Art of Deal“ in die Tasten klopfte und über Monate Zugang zum Bling-Bling-Imperium seines Auftraggebers hatte, attestiert ihm heute, nur „ein schlichter Soziopath“ zu sein. Und tatsächlich, wenn man das Symptom-Register und die klassischen Warnsignale für soziopathisches Verhalten auf den Mann anwendet, passt auch da alles wie maßgemacht: Lügen und manipulatives Verhalten, Missachtung aller gesellschaftlichen Regeln, fehlende Reue oder Schamgefühle, unverantwortliches und impulsives Handeln.“

Ergänzung 2:

Die Frankfurter Allgemeine berichtet über die Debatte:
„Darf man Trump als psychisch krank bezeichnen?
Unter Medizinern ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Während Dutzende in einem offenen Brief die psychische Gesundheit von Donald Trump in Frage stellen, warnen andere vor der Diskriminierung Kranker.“

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s